Ich heisse Ainhoa Martinelli und glaube sehr fest daran, dass eine Welt, in der alle Menschen auf Augenhöhe, in Liebe und ohne Ausbeutung miteinander zusammenleben, möglich ist. Meiner Meinung nach reicht es aber nicht, nur daran zu glauben: Eine solche Welt muss kollektiv erschaffen werden, zum Beispiel durch das Erschaffen von Räumen, die es Menschen ermöglichen, zu sich selbst und der globalen Intimität zu finden, um herauszufinden welche Rolle sie in ihrer Gemeinschaft übernehmen möchten und um gemeinsam und partizipativ radikale, tiefgreifende Lösungen zu gesellschaftlichen Herausforderungen auszuprobieren und so unsere Demokratie basisdemokratisch und dezentral zu beleben. Ich investiere meine Lebenszeit in die Kreation von partizipativen Entscheidungsräumen und komme daher mit sehr vielen Menschen in Kontakt, die sich für Jugenpartizipation einsetzten.
Eine Frage dich ich dabei sehr oft höre: "Ainhoa, wir haben Mühe in unserer Gemeinde junge Menschen für unsere Projekte zu begeistern oder motivierte Jugendliche zu finden, die an unserer partzipativen Prozessen teilnehmen. Woran liegt das, warum bist du da und andere nicht? Wollen diese nicht?"
Meine Antwort darauf: Politisches Engagement ist für mich und für andere politisch engagierte junge Menschen eine Lebenseinstellung, mehr als ein Vollzeitjob, sogar neben Job, Ausbildung und Erholung. Damit ich mich politisch engagieren kann, muss ich sehr vieles zurückstecken: Sport, Freund:innen, Uni...ausserdem hatte ich das Glück mit sehr viel Selbstwirksamkeit aufzuwachsen und habe öfters erlebt, dass es sich lohnt, für Gerechtigkeit einzusetzen und bin psychisch relativ resillient. Nicht alle jungen Menschen haben solche positiven Erfahrungen gemacht oder wollen neben der vielen Zeit, die sie schon in andere wichtige Tätigkeiten investieren, sich auch noch politisch einbringen. Sei das in KiJuPas, Quartierzentren etc... Dass heisst aber nicht, dass diese sich nicht auch in die politische Debatte gerade rund um ihre Zukunft einbringen möchten. Im Gegenteil! Junge Menschen sind täglich aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft beteiligt und partizipieren auf natürliche Weise. Leider werden ihre Arbeit und Kompetenzen oft von Erwachsenen übersehen, unterschätzt, in JuPas in Schubladen zum Verstauben verurteilt oder einfach nicht ausreichend gewürdigt, was auch dazu führt, dass ihre Bedürfnisse häufig ignoriert werden. So verläuft der Wille aktiv Mitzugestalten all zu oft in einer gelernten Hilflosigkeit, die bis ins Erwachsenenalter bleibt. Und das schadet unserer Demokratie.
Ein kleiner Exkurs dazu: Es reicht nicht, wenn in einer Demokratie der Regierungen demokratisch organisiert sind. Alles sollte demokratisch organisiert sein: Von dem grossen Konzern, zu den Bundesämter bis hin zu kleinen Fabriken, Dorfbeizen, Familien und den Schulen. Unsere Regierung legt uns Grundlagen und Rahmenbedingungen für unser Zusammenleben fest – die Demokratie beleben, müssen aber wir: Von den jüngsten bis zu den ältesten Mitgliedern unserer Gesellschaft, gemeinsam dezentral als Basis und Herz der Demokratie. Erlernte Hilflosigkeit hindert uns daran Demokratie richtig auszuleben. Exkurs ende.
Dass heisst, wir sollten in der Schule erleben, was es heisst in einer Demokratie zu leben. Nicht nur die Theorie lernen, sondern lernen, wie anderen Perspektiven emphatisch zu gehört werden kann, was es heisst, gemeinsam konstruktive Lösungen zu erarbeiten und auf einander Rücksicht zu nehmen. Wir brauchen nicht nur ein Schulfach "Politische Bildung" sondern auch ein Schulfach oder ein Gefäss/Modul "Politische Partizipation". Darunter stelle ich mir eine Art KiJuPa an jeder Schule (Zyklus 1 bis Hochschulen) vor, die mit der Gemeinde anderen Institutionen und Akteur:innen, die im Umkreis der Schule liegen gut vernetzt sind und aktiv Prozesse mitgehalten können. Geleichzeitig können aber auch alle Klassen, Fachschaften, Disziplinen etc mitgehalten, wie der Unterricht aussehen sollte.
Es ist an der Zeit, dass Erwachsene zurücktreten und bestimmte Teile des Raumes mit Jugendlichen und Kindern teilen. Dieser Schritt erfordert viel Vertrauen, denn das Loslassen bedeutet Verlust von Kontrolle, Stabilität und Sicherheit. Wie kann dieses Loslassen funktionieren? Wie können Erwachsene lernen, den jungen Menschen zu vertrauen? Ich glaube, in dem sie uns jungen Menschen zuzuhören und sich auf uns einzulassen. Nur durch dieses grundlegende Verständnis können Vertrauen und die Grundlage für eine partizipative Demokratie entstehen. Echte Partizipation beginnt in den Köpfen der Erwachsenen und in Projekten von jungen Menschen.
Ich freue mich, wenn Sie Lust haben, mit mir herauszufinden welche Ressourcen es braucht, das politische Partizipation an und aus Schulen vom Traum zur Realität wird und dann daraus eine Strategie zu entwickeln, wie wir an jeder Schule politische Partizipation ermöglichen können!
Timeline
28.02.24
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